Judith Kuckart: Skoronel Reloaded

DIE ERDE IST GEWALTIG SCHÖN, DOCH SICHER IST SIE NICHT

Eine Tanzproduktion?
Ein Stück Literatur?
Ein Stoff, aus dem auch Filme gemacht sind?

Das Tanz Ensemble Skoronel Reloaded – zwischen zweiundfünfzig und vierundsiebzig Jahren alt – erzählte auf der Bühne davon, dass es nicht darauf ankommt, was man aus uns gemacht hat, sondern darauf, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.
„Ophelia kann sein“, “ Esperanza Hotel“ „Vincent fressen ihn die Raben“, „Homme Fatal“ hießen die Produktionen – insgesamt mehr als siebzehn – mit denen das Tanztheater Skoronel in den achtziger und neunziger Jahren im In- und Ausland auf Tour waren. Die Stücke erzählten von ikonischen Biografien, oft brüchigen. Von der Liebe, der zerstörerischen. Von Revolutionen, immer gescheiterten. Tanz und Sprache gingen in dem jungen Ensemble als körperlicher Ausdruck und poetisches Fragment eine glückliche, wilde Verbindung ein. Jetzt, heute, ein Leben später, hat Judith Kuckart den harten Kern von damals für ein ungewöhnliches Reload wieder zusammengeholt, um von eigenen Biografien zu erzählen, vom prekären Tanz durch die Jahre. Tänzer*innen sind sie auf ihre Weise alle geblieben: Denn es sind die Haltungen, die den Halt geben. Sich zu erinnern, ist ein körperlicher Vorgang und Wiederbegegnungen sind Bewegungen im Raum.

Im Spannungsfeld zwischen kurzen Auszügen aus der Live-Performance, historischem Material, Talk und dem Film „Posture“ von Alice Bleistein, der während der Proben und ersten Aufführungstermine entstanden ist, wurden an dem Abend in der Studiobühne Paderborn Geschichten von Menschen sichtbar, die sich sicher sind: Ab jetzt haben wir noch zwanzig grandiose Sommer vor uns.